Wissenschaft

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Daten sind nicht alles – aber ohne Daten …


Billiginklusion gefährdet ESE-Kinder – viele brauchen ständige Doppelbesetzung

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit diagnostizierten emotional-sozialen Entwicklungsstörungen hat sich in den vergangenen zwölf Jahren in Deutschland nahezu verdoppelt – und sie bereiten den Regelschulen zunehmend Probleme. Denn immer mehr solcher sogenannter „ESE-Schüler“ müssen an Regelschulen unterrichtet werden, ohne dass dort genügend besonders qualifizierte Sonderpädagogen bereitstünden. Wie kaum eine andere Personengruppe, so betont Bernd Ahrbeck in einem aktuellen Gutachten, „stellen diese Schülerinnen und Schüler die Unterrichtenden vor schwierige, mitunter kaum lösbare pädagogische Aufgaben.“    mehr     Expertise Prof. Ahrbeck


Logopäden warnen: Riskante Diagnosedefizite bei Sprachentwicklungsproblemen

Rund ein Drittel aller Schulanfänger habe Sprachprobleme. Sprachtests und Förderprogramme würden aber oft nur mangelhaft ausgeführt: Vielen Kinderärzten fehle das Problembewusstsein, und in den Schulen sei qua Inklusion eine sachgemäße Datenerhebung zunehmend unerwünscht. So der Bundesverband für Logopädie hier.


Vom Gleichsein und Anderssein

Ob körperlich, geistig oder seelisch beeinträchtigt: In der Kinder- und Jugendliteratur sind Akteure mit Behinderungen längst Normalität geworden. Wir sehen sie integriert in die gewohnten Erzählformen – ihre Andersartigkeit bleibt dabei gleichwohl Thema. dradio 23.9.2017


Manches ist möglich – aber bei weitem nicht alles

Eine Redakteurin der ZEIT hat sich die Mühe einer Langzeitbeobachtung gemacht. Sie besuchte sechs Jahre lang – vom Anfang bis zum Abschluss – eine inklusive Klasse der Gesamtschule Ost in Bremen und recherchierte vor Ort, voller Sympathie, aber auch mit Skepsis – in aller Widersprüchlichkeit eben. Ihr Bericht führt Möglichkeiten und Grenzen engagierter pädagogischer Praxis berührend vor Auge.

Klassenstart     Klasse 6     Klasse 7     Klasse 8     Klasse 9     Mittlerer Abschluss


Sonderschulbesuch muss keineswegs zu einer Sackgasse im späteren Lebensverlauf führen

Ein hessischer Förderschullehrer hat in seiner Dissertation untersucht, wie die Biografien von Sonderschülern durch ihren Schulbesuch geprägt wurden. Die Überweisung zur Sonderschule hatte zunächst ihr Selbstgefühl bestätigt, dumm zu sein, daselbst aber fühlten sie sich ausgesprochen wohl: sympathische, verständnisvolle und hoch engagierte Lehrer; eine positive Klassengemeinschaft, die individuelle Schwächen akzeptierte; ein praxis- und lebensorientierter Unterricht, der den jeweiligen Lernstand der Schüler berücksichtigte. Zwei Drittel der Befragten holten den Hauptschulabschluss nach, mehr als der Hälfte gelang der Abschluss einer Ausbildung. Die ausgeübten Tätigkeiten waren meist schlecht bezahlt, bisweilen ergaben sich jedoch auch enorme berufliche Aufstiege.   Artikel


Inklusion und Lehrerausbildung im europäischen Kontext

In Hessen soll ein angehender Sonderpädagoge 7200 Studienstunden absolvieren, in Italien gelten Lehrer bereits nach 400 Stunden als inklusionskompetent. Auch sonst unterscheiden sich Definitionen, Methoden und Ausstattung europaweit ganz erheblich.   Ein Kurzüberblick


Inklusion – das „Ei des Kolumbus“ für die Bildungsprivatisierer …

Der Linguist Clemens Knobloch befürchtet, die Zerschlagung der Sonderschulen werde „marktfähige Schichten aus dem öffentlichen Schulwesen heraus manövrieren“. Für einen Sprachwissenschaftler bewundernswert: „die Chuzpe, mit der ein institutionell ausdifferenziertes System von Fördereinrich-tungen für Lernbehinderte mit einem Federstrich als Diskriminierung umdefiniert und abgeschafft werden kann. (…) Das ist eine Politik, der man Orwell´sche Qualitäten nicht absprechen kann.“ im Detail


BeLieF-Studie: Vorteile inklusiver Beschulung fraglich

Auch an Förderschulen (L) hohes Wohlbefinden; Leistungsvorsprung inklusiv beschulter LB-Schüler womöglich nur Folge spezifischer Zuweisungspraxis; kindliches Entwicklungswohl hängt wohl weniger vom Fördermodell ab als von der jeweiligen Unterrichts- und Förderqualität.     Kurzbericht     Fachartikel


Auch bei Autismus: Recht auf individuelle Förderung und professionelle Begutachtung

Inklusion macht man nicht mit links. Die Annahme, jeder Lehrer könne mit jeder Form von Förderbedarf angemessen umgehen, wenn er sich nur genügend anstrengt, ist eine „gefährliche Illusion“.    mehr


„Kinder mit Down-Syndrom gehen gerne in die Schule und sind ausgesprochen lernwillig“ …

… wenn sie dort ausreichend betreut und begleitet werden!     Pressemitteilung des DVE 3/2017


David Mitchell: Was wirklich in Sonderpädagogik und Inklusion funktioniert

Überblick über lernwirksame Unterrichtsstrategien in integrativen Settings     Manuskript 5 Seiten


„In ihrer Welt“ oder: Auch für Blinde ist Inklusion nicht nur angenehm …

In einer Langzeit-Doku schildern sehbehinderte Jugendliche, wie schmerzlich es für sie war, das Anderssein in der Inklusion auszuhalten. Ihre Mitschüler interessierten sich für Mode und gingen in die Disko oder ins Kino. Jonas sagt: „Ich hatte immer ein völlig anderes Bild von Integration. Ich hätte mir gewünscht, dass ICH eine Ahnung von der Welt kriege, und nicht die Sehenden eine Ahnung von Blinden.“ (Manuskript bei dradio anfordern: 10.9.2016)


Hattie-Studie: Kaum nennenswerte Positivbefunde

„Die Argumente für eine inklusive Beschulung betreffen eher Fragen der Gleichbehandlung und der sozialen Gerechtigkeit als optimale Effekte auf das Lernen der Betroffenen. (…)
[In der größten erfassten Teilstudie (Carlberg und Kavale), d.V.] wurden gering-positive Effekte für inklusive Beschulung im Vergleich zu Sonderschulklassen nachgewiesen (d = 0,12).“ [Aber zum Vergleich: Die durchschnittliche Effektstärke aller untersuchten Maßnahmen wird angegeben mit d = 0,4!] Quelle: John Hattie: Lernen sichtbar machen. 2009 (dt. 2013), S. 114     ausführlich


Die wahren Kosten der Inklusion …

Ein nur wenig präsentes Gutachten (erstellt 2009 im Auftrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen) bilanziert: Ein pädagogisch substantiell ausgebautes System schulischer Inklusion ist nicht günstiger als das bisherige Förderschulsystem, sondern doppelt so teuer. Ohne enorme zusätzliche Investitionen aber sinkt die Bildungsqualität für die Kinder.     Gutachten


HU Berlin: Befragung von Elternvertretungen zur Inklusion

Positive Haltung zum „Gemeinsamen Lernen“, in der konkreten Umsetzung aber erhebliche Probleme (Tempo, Ressourcen personell wie sächlich, Kompetenz der Lehrkräfte, Klassengrößen); massives Votum für bleibendes Wahlrecht der Eltern zwischen Regel- und Förderschule (besonders in Bezirken mit langjähriger Integrations- bzw. Inklusionserfahrung)     Gesamttext (8 Seiten)


Bildungsgerechtigkeit – Gebot oder Gespenst ?

Als Begründung für ein neues inklusives Schulsystem In Deutschland muss regelmäßig die These herhalten, das hiesige Bildungssystem begünstige in besonderem Maße sozial schwache bzw. bildungsferne Schichten. Der Haken bei dieser Argumentation: Sie lässt jede Menge Fakten und Forschungsbefunde außer Acht. Kennt man diese, könnte in der Teilhabefrage mehr Vernunft walten …

Datenlage: ambivalent     Andere Länder (ab S. 17): Äpfel und Birnen     Entscheidend: die Vorschulzeit